Land unter

Mittwochfrüh erreichte das Hochwasser seinen Höhepunkt. Ab Donnerstag konnte ganz Steyraufatmen: Die Stadt ist mit einem blauen Auge davongekommen.
STEYR -Dauerregen und Sirenengeheul – spätestens in der Nacht von Montag auf Dienstag wussten die Steyrerinnen und Steyrer, was sie erwartet. Erinnerungen wurden wach an den August 2002, als die Eisenstadt eine der schwersten Hochwasserkatastrophen erlebte.
Im Laufe des Dienstags stieg das Wasser vorerst nur langsam, am Ortskai erreichte der Pegel der Enns kaum die 4-Meter-Marke, am Ennskai schwappte das Wasser über die Ufer, von Überflutung konnte aber noch keine Rede sein. Viele Steyrer gingen beruhigt schlafen. Auch bei den Einsatzkräften und im Magistrat rechnete kaum einer mehr mit einer wesentlichen Verschlimmerung.
Der Mittwochmorgen sollte alle eines Besseren belehren: Am Ortskai war die Enns über Nacht auf 5,70 Meter gestiegen, der Ennskai komplett überschwemmt, im Wehrgaben bildeten sich kleine Seen, zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden. Am Nachmittag entspannte sich die Situation dann langsam, noch vor Mitternacht unterschritt die Enns wieder die 4-Meter-Marke.
„Mittlere Katastrophe“
„Es war eine mittlere Katastrophe. Steyr ist dieses Mal mit einem blauen Auge davongekommen“, betonte Bürgermeister Gerald Hackl (SPÖ) am Donnerstag. Lob gab es für das professionelle Verhalten der Bürger, für die Einsatzkräfte, die teilweise rund um die Uhr im Einsatz waren und nicht zuletzt für die Hochwasserschutzmaßnahmen, die die Stadt an Enns und Steyr gesetzt hat (siehe Artikel rechts).
Was vom Hochwasser bleibt, ist der Schlamm.Mehr als 75 Feuerwehrmänner säuberten Straßen und pumpten Keller aus. Ab Freitag konnte dann gefeiert werden – nicht nur am Stadtfest, sondern auch, dass Steyr ein weiteres Hochwasser gut überstanden hat.
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Hochwasserschutz: „Unsere Maßnahmen haben gegriffen!“
Feuerwehrkommandant und Bürgermeister sind überzeugt: Ohne Vorkehrungen hätte es viel schlimmer kommen können.
STEYR – „Jetzt haben sie so viel gebaggert, aber geholfen hat´s wenig.“ – Diese Worte waren am Mittwoch im Bereich Zwischenbrucken von einer Passantin zu hören. Anders sieht das Bürgermeister Gerald Hackl: „Die Maßnahmen an Enns und Steyr haben bereits jetzt gewirkt.“ Vom Gedanken, dass man in Steyr ein Hochwasser verhindern könne, müsse man sich aber verabschieden. „Das ist kein Verhinderungsprojekt, sondern ein Schutzprojekt.“
„Beweise“, dass die Maßnahmen Früchte tragen, will die Stadt zum Beispiel an der Brücke Schwimmschulstraße entdeckt haben: Diese wurde im Jahr 2002 bereits bei einem Pegelstand von 3,50 Meter für den Verkehr gesperrt.
Heuer war sie auch noch bei 3,70 Meter passierbar und hätte erst ab 3,85 gesperrt werden müssen. „Man merkt, in der Tiefe hat sich etwas getan. Der Schotter ist weniger geworden“, sagt Hackl. Der Steyrer Feuerwehrkommandant Robert Lumesberger pflichtet bei: „Auch im Bereich Haratzmüllerstraße und im Bereich Marienkirche haben wir mehrere Zentimeter gewonnen.“
Den vollen Schutz sollen den die Maßnahmen erst nach dem Absenken der Ennssohle bei der Rederinsel entfalten. Frühester Baubeginn wäre Winter.
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Hochwasser richtet enorme Schäden an
Kremsmünster war einmal mehr am stärksten vom Hochwasser betroffen: Im Vergleich zu 2002 kam der Bezirk glimpflich davon.
BEZIRK KIRCHDORF -Insgesamt 35 Feuerwehren mit mehr als 350 Mann mussten am Mittwoch in den frühen Morgenstunden ausrücken: Die Krems war bedrohlich angeschwollen und teilweise über die Ufer getreten, fallweise gab es Murenabgänge (Kremsmünster, Micheldorf, Klaus), Straßen wurden unterspült (Oberschlierbach) und in zahlreiche Keller trat Wasser ein.
In Kremsmünster demontierte die Feuerwehr die Brückengeländer, um eine Verklausung zu verhindern, berichtet Bezirksfeuerwehrkommandant Johann Ramsebner. Am Mittwoch um 7 Uhr in der Früh erreichte die Krems mit 3,82 Meter ihren Pegelhöchststand – vom Hochwasser betroffen waren Häuser in der Linzer- und Lutzky-Straße, am Josef-Runkl-Weg und in der Gablonzer Siedlung.
In Steinbach an der Steyr hatte die Feuerwehr mit Verklausungen zu kämpfen, außerdem wurden Güterwege vermurt. Die Landesstraße nach Hinterstoder blieb nach einem Geröll-Abgang im Bereich Radau bis Donnerstag gesperrt, in Oberschlierbach waren Güterwege mit dem Auto nicht passierbar.
Krisenstab in der BH
In Kirchdorf traf am Mittwoch ein Krisenstab zusammen: Bezirkshauptmann Dieter Goppold beriet mit Feuerwehrkommandant Johann Ramsebner und Bezirkspolizeichef Hans-Peter Vertacnik sowie Vertretern von Forstabteilung und Wildbachverbauung die Hochwassersituation.
„Am Donnerstag sind wir noch einmal zusammengetroffen, doch da hatte sich die Lage bereits deutlich entspannt. Im Vergleich zum Jahr 2002 ist der Bezirk glimpflich davongekommen“, sagt Goppold im Gespräch mit derRundschau am Sonntag.
(Rundschau am Sonntag, 28. Juni 2009)
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- Published:
- Juni 28, 2009 / 15:31
- Tags:
- Hochwasser
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